So wählst du einen Domainnamen für dein Startup – ohne endlose Qual und Tabellen
Ist dir das schon einmal passiert: Du hast eine brillante Idee für einen Service, setzt dich hin, um an einem Abend einen Prototypen zu bauen, aber stolperst direkt beim allerersten Schritt – dem Namen? Persönlich habe ich zusammengerechnet Dutzende Stunden auf Registrar-Websites verbracht, habe Synonyme, Suffixe und exotische Domain-Zonen durchgekaut. Normalerweise wird dieser Prozess zum Chaos. Du findest ein Dutzend verfügbare Optionen, schreibst sie in Notizen auf, und dann kannst du nicht herausfinden, welche besser klingt, leichter zu merken ist und tatsächlich das Wesen des Projekts widerspiegelt.
Kürzlich bin ich auf das Open-Source-Projekt domainsearcher-app von Vasily Trofimchuk gestoßen. Der Autor hat das Problem wie ein Ingenieur angepackt: Das Tool generiert und prüft nicht nur Domain-Status – es bewertet jeden Namen anhand mathematischer und linguistischer Parameter.

Was ist die Hauptattraktion
Die meisten Domain-Generatoren arbeiten nach einem primitiven Schema: Nimm ein Wort, hänge Präfixe wie get, try oder app an und zeige grüne Häkchen neben verfügbaren Zonen.
Hier ist die Logik anders. Der Service generiert etwa 60 Kandidaten basierend auf deiner Ideenbeschreibung, prüft sofort deren Verfügbarkeit und weist jedem Kandidaten eine gewichtete Bewertung zu.
Die Bewertung basiert auf sechs Dimensionen:
- LEN (Länge). Lokal berechnet. Der Goldstandard sind 5 Zeichen, was die maximalen Punkte ergibt.
- PRO (Aussprechbarkeit). Ein neuronales Netz bewertet, wie einfach es ist, den Namen laut auszusprechen, ohne sich die Zunge zu brechen.
- MEM (Merkbarkeit). Prüft die Wahrscheinlichkeit, dass ein Benutzer den Namen am nächsten Tag noch erinnert.
- BRD (Markenwert). Bewertet, wie einzigartig der Name ist, wie sehr er wie ein Firmenname und nicht wie eine seelenlose Suchanfrage klingt.
- ZON (Zonenverfügbarkeit). Zeigt den Prozentsatz der Verfügbarkeit über deine ausgewählten Domainzonen (.com, .io, .ai, .dev, .app).
- FIT (Ideenübereinstimmung). Analysiert, wie präzise der Name die Bedeutung des Produkts vermittelt.
Alle neuronalen Netzmetriken (PRO, MEM, BRD, FIT) werden in einem einzigen API-Aufruf angefordert, um Tokens und Zeit zu sparen. Gleichzeitig können die Metrikgewichte manuell angepasst werden. Wenn dir die Länge nicht wichtig ist, aber die Produktassoziation entscheidend ist, erhöhst du einfach das FIT-Gewicht und berechnest die Endbewertung neu.
Wie die Verfügbarkeitsprüfung ohne Backend funktioniert
Der interessanteste Teil des Repositories verbirgt sich unter der Haube. Das Projekt hat überhaupt kein serverseitiges Backend. Alles läuft direkt im Browser über Vanilla JavaScript (ES-Module) und statisches HTML.
Um die Domainverfügbarkeit ohne Zwischen-Proxy-Server zu prüfen, implementierte der Autor eine zweistufige Verifizierung:
- RDAP (über rdap.org). Dies ist ein moderner Ersatz für das WHOIS-Protokoll mit CORS-Unterstützung und JSON-Format. Wenn das Registry einen 200-Code zurückgibt, ist die Domain vergeben.
- DNS-over-HTTPS (über Cloudflare 1.1.1.1). Fragt den A-Record der Domain ab. Wenn ein
NXDOMAIN-Status zurückgegeben wird, ist die Domain frei. Wenn NS- oder SOA-Records im Authority-Abschnitt zurückkommen, ist der Name bereits von jemandem belegt.
Diese Kombination hilft, falsche Ergebnisse bei pingeligen Zonen wie .io, .ai oder .co zu erkennen, bei denen Registries oft mit Fehlern oder Verzögerungen antworten.
Arbeit mit neuronalen Netzen und Schlüsseln
Standardmäßig hat die Web-Version bereits einen integrierten kostenlosen Tier-Groq-Schlüssel, sodass der Service ohne Registrierung funktioniert.
Wenn du andere Modelle benötigst oder Limits entfernen möchtest, kannst du den Anbieter in der Oberfläche wechseln und deinen eigenen Schlüssel einfügen:
- Groq (schnelle Inferenz über offene Modelle)
- OpenAI
- Anthropic Claude
Schlüssel werden ausschließlich im Browser localStorage gespeichert und niemals extern irgendwohin gesendet.
Ein weiteres lustiges Detail in der Oberfläche: Für jede ausgewählte Domain generiert der Service drei assoziative Wörter unter Berücksichtigung der Bedeutung der Domainzone. Zum Beispiel liegt der Fokus für .ai auf künstlicher Intelligenz und für .io auf Entwicklertools.
Lokale Ausführung
Da das Projekt keine Bundler wie Webpack oder Vite verwendet, beschränkt sich der Start auf das Starten eines beliebigen statischen Servers. Die Hauptanforderung: Dateien über HTTP bereitstellen, da der Browser sonst ES-Module blockiert.
Danach öffnest du die Adresse in deinem Browser, gibst ein paar Sätze über dein zukünftiges Projekt ein, wählst die Zonen aus, die dich interessieren, und startest die Suche. Favoriten können mit einem Stern gespeichert, Snapshots exportiert und später wiederhergestellt werden.
Lohnt es sich, es zu versuchen
Das Projekt gewinnt durch seine Einfachheit. Keine schweren Frameworks, Datenbanken oder Autorisierungen. Es ist ein großartiges Beispiel dafür, wie man ein vollständig funktionales Arbeitswerkzeug auf einem Vanilla-Stack unter Verwendung moderner Web-Standards (RDAP, DoH, Fetch API) erstellen kann.
Wenn du gerade einen Namen für ein Nebenprojekt, eine Bibliothek oder ein Startup brainstormst, schau dir domainsearcher.app an oder schau dir den Repository-Code an. Die Idee der multifaktoriellen Bewertung durch einen einzigen LLM-Aufruf wird für andere Aufgaben definitiv nützlich sein.
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