Wie ich aufgehört habe, für Fitness-Tracker-Abos zu bezahlen und wger auf meinem eigenen Server deployed habe
Ich habe eine alte Gewohnheit: Sobald ich mit dem Training anfange, sammeln sich auf meinem Handy ein Dutzend Fitness-Apps. Zuerst funktioniert alles gut, aber eine Woche später wird man von einer Paywall begrüßt. Möchtest du ein komplexes Programm mit Gewichtsprogression erstellen? Zahle monatlich. Möchtest du Kalorien ohne aufdringliche Werbung für fragwürdige Supplements tracken? Zahle erneut. Dazu kommen geschlossene proprietäre Formate, die einen ordentlichen Datentransfer verhindern, und die Motivation, Tagebuch zu führen, verschwindet schnell.
Vor einiger Zeit bin ich auf ein Open-Source-Projekt namens wger gestoßen (ausgesprochen ungefähr wie „vee-ger"). Es ist ein vollständig ausgestatteter, selbst gehosteter Workout- und Ernährungsmanager, geschrieben in Python und Django. Das Projekt existiert seit 2013 auf GitHub, hat über 6.600 Sterne gesammelt und hat sich zu einer ausgereiften Plattform mit mobilen Clients und einer offenen REST-API entwickelt.
Was das System kann
Was die Funktionalität betrifft, deckt wger praktisch alle Bedürfnisse einer Person ab, die regelmäßig trainiert und ihre Fitness verfolgt.
Workout-Konstruktor und Lastprogression
Hier kannst du Programme jeder Komplexität erstellen: von einfachen Splits bis hin zu Periodisierung mit präzisen Gewichtsprogression-Regeln. Die Übungsdatenbank ist bereits vorhanden, mit Bildern, Technikbeschreibungen und Aufschlüsselungen nach Muskelgruppen. Falls eine bestimmte Maschine fehlt, kannst du sie einfach selbst hinzufügen oder der Community zur Verfügung stellen.
Ernährungstracking und Open Food Facts-Integration
Statt Nährwertinformationen für jeden Apfel oder jede Hähnchenbrust manuell einzugeben, bezieht wger die Produktdatenbank aus Open Food Facts. Das ist eine riesige offene Datenbank mit Lebensmitteln aus aller Welt. Du kannst eigene Essenspläne erstellen, Makronährstoffe (Proteine, Fette, Kohlenhydrate) und die tägliche Kalorienzufuhr tracken.
Messungen und Fortschrittsgalerie
Über das reine Körpergewicht hinaus speichert das System die Geschichte von Taillen-, Bizeps- und Körperfettmessungen sowie beliebige benutzerdefinierte Metriken. Du kannst auch Fortschrittsfotos nach Datum hochladen. Da der Server unter deiner Kontrolle steht, gelangen persönliche Fotos nicht in Clouds von Drittanbietern.
Mobile und Desktop-Clients
Normalerweise haben Open-Source-Projekte wie dieses nur eine Weboberfläche, die unbequem auf dem Smartphone direkt an der Squat-Rack zu öffnen ist. wger hat eine offizielle Flutter-App. Sie ist für Android (inklusive Google Play und F-Droid), iOS und Flathub für Desktop-Linux verfügbar. Der Client verbindet sich direkt mit deiner Instanz über die API.
Unter der Haube
Die Projektarchitektur sieht klassisch aus für zuverlässige Webdienste:
- Backend geschrieben in Django (Python).
- Datenbank: PostgreSQL oder SQLite (für schnelle Tests).
- Frontend nutzt Standard-Django-Templates plus eine REST-API, gebaut auf dem Django REST Framework.
- Mobile Apps geschrieben in Flutter, Quellcode befindet sich in separaten Repositories unter der Organisation.
- Lizenz: AGPL-3.0.
Eine vollständige REST-API bedeutet, dass du Workout-Logging über Webhooks automatisieren, intelligente Waagen verbinden oder dein eigenes Python-Skript schreiben kannst, das jährliche Statistiken zusammenstellt und einen schönen Bericht an deinen Messenger sendet.
Schnellstart
Das Deployment deiner eigenen Instanz geht am einfachsten über Docker Compose. Das Projektteam pflegt ein separates Repository mit allen fertigen Konfigurationen.
Schritt eins. Klone das Repository mit den Docker-Dateien:
git clone https://github.com/wger-project/docker.git wger-docker
cd wger-docker
Schritt zwei. Starte den Container-Stack:
docker compose up -d
Nach dem Start ist die Weboberfläche auf dem lokalen Port verfügbar (standardmäßig http://localhost:80). Beim ersten Login fordert dich das System auf, ein Administratorkonto zu erstellen und die grundlegenden Sätze von Übungen und Zutaten zu laden.
Wenn die Einrichtung eines eigenen Servers zu aufwändig erscheint, haben die Autoren einen öffentlichen kostenlosen Server unter wger.de. Du kannst dich dort registrieren, die Oberfläche testen und erst dann entscheiden, ob du eigenes Hosting benötigst.
Für wen ist das gedacht
Das Projekt ist ideal für jeden, der:
- Gesundheits- und Trainingsdaten auf eigener Hardware speichern möchte.
- Endlos Abos in kommerziellen Apps wie MyFitnessPal oder Hevy leid ist.
- Ein fertiges Backend für ein Fitness-Projekt oder ein Studio sucht (wger hat einen einfachen Multi-User-Modus mit rollenbasierter Zugriffskontrolle für Trainer und Kunden).
Als Nachteil: Die Weboberfläche wirkt stellenweise etwas altbacken, und die mobile App hinkt bezahlten Alternativen manchmal bei der Flüssigkeit hinterher. Aber Unabhängigkeit von Clouds Dritter und die offene API machen das mehr als wett. Wenn du etwas für einen Home-Server oder Raspberry Pi suchst, verdient wger definitiv einen Platz in deinem docker-compose.yml.
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